Die Geschichte des Meetings


Die Geschichte des Meetings ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Noch nie hat eine Erfindung scheinbar arbeitende Menschen gleichzeitig so fasziniert und erschreckt. Und hat es sie nicht auch schon einmal gewundert, warum sie oftmals mit einem Berg von neuen Todo’s aus Besprechungen gehen, während andere pfeifend ihre Kaffeetasse zurückbringen und dann Feierabend machen? Wie funktioniert so ein Meeting überhaupt? Hier ein paar Tips von ZYN!, dem Magazin ihres Vertrauens.

Grundsätzliches
Führe das Meeting niemals an deinem Arbeitsplatz durch! Das ist eine Todsünde! Du bist ja auch nicht so meschugge, deine Mittagspause am Arbeitsplatz zu machen! Ein Meeting findet wenigstens am Nachbartisch statt, besser außer Hörweite deines Telefons und Zugriff durch Kollegen und Vorgesetzte. Niemand, der nicht direkt am Meeting teilnimmt oder bei Vollmond einen versiegelten Umschlag geöffnet hat, während er Beschwörungsformeln murmelt, darf wissen, wo du dich befindest, um zu vermeiden, mit Kundenanrufen oder ähnlichem behelligt zu werden. (Eine Ausnahme bilden Manager. Diese führen Meetings an ihrem Arbeitsplatz durch und strafen Störenfriede mit einem Blick, der sie locker in sabbernde Idioten verwandelt oder unterbrechen bei Interesse selbiges durch eine einzige elegante Handbewegung!) Trage das Meeting mit Datum und Uhrzeit in deinen Kalender ein, um eine Rechtfertigung für deine Abwesenheit zu haben oder zu verhindern, im gleichen Zeitraum eine andere Aufgabe zugeteilt zu bekommen, aber vermeide unter allen Umständen, den Ort anzugeben. Vor jedem Meeting finden ohnehin konspirative Telefongespräche mit den Beteiligten statt, um den Ort der Austragung zu bestätigen oder zu ändern, falls es irgendwo eine undichte Stelle gab. Solltest du aufgrund bestimmter Umstände gezwungen sein, den Versammlungsort zu notieren, verwende eine Geheimschrift.

Materialien
Bewaffne dich mit einem neuen Projektblock und einem neuen Schreibutensil. Gebrauchtes Büromaterial signalisiert Desinteresse am Thema, bereits vollgeschriebene Blätter suggerieren Überforderung. Schleppe dich allerdings nicht mit zu vielen Dingen wie z.B. Kundenordnern ab, das wieder signalisiert ein schlechtes Gedächtnis oder Gewissen. Wenn du kannst, nimm ein Notebook mit und beschäftige dich direkt vor dem Meeting so intensiv mit dem Start und der Einrichtung des Geräts, daß du die Frage, wer das Protokoll schreibst, glaubhaft überhören kannst. Beschimpfe das Gerät und benutz es als Ausrede, warum du noch nicht am Start bist, erlaube den anderen Teilnehmern aber ausdrücklich, schon mal ohne dich anzufangen. Nur so kannst du es schaffen, dich mit einer reinen Zuhörerrolle zu begnügen und nicht schon während des Meetings lästige Aufgaben übernehmen zu müssen.

Strategische Sitzposition
Setz dich so, daß dir die Sonne nicht aufs Display scheint und dich daran hindert, Solitaire zu spielen. Tippe mit interessiertem Blick ab und zu Sätze mit. Setze dich auch so, daß niemand erfährt, daß du in einem DOS-Fenster „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ schreibst und dafür nach einem beherzten Druck auf die RETURN-Taste lediglich ein „Command not found“ erntest. Sollten du die Blicke deiner Mitverschwörer dahingehend deuten, daß sie glauben, du schreibst Teile der Diskussion mit, blicke stumm und vorwurfsvoll zum Protokollführer. Setze dich nie ans Kopfende eines Tisches, weil du dort leichter gesehen wirst, wenn der Mann am Clipboard am anderen Ende des Tisches auf der Suche nach einem Dummen, dem er ein Todo aufdrücken kann, seinen Blick durch den Raum schweifen läßt. Am besten setzt du dich mittig an die langen Tischseite, von da aus kommst du wenigstens an die Kekse, um dich danach gleich wieder in den Windschatten deiner weniger vorsichtigen Kollegen zu begeben.

Verhalten im Meeting
Im Meeting selbst ist Zurückhaltung geboten. Nicke interessiert und involviert, aber niemand darf merken, daß dich die Inhalte der Zusammenkunft weniger interessieren als die Ergebnisse der Cricket-Derbys von 1956 aus den englischen Kronkolonien. Gebe auf Fragen entweder ganz kurze und nichtssagende Antworten oder lasse dich in epischer Breite so lange über das Thema aus, daß deine Zuhörer am Ende des Satzes nicht mehr wissen, was du am Anfang gesagt hast. (Fragt dich zum Beispiel jemand nach der Uhrzeit, so gebe ihm einen Abriß über die europäische Uhrmachergeschichte der letzten fünf Jahrhunderte beginnend mit dem „Nürnberger Ei“. Leite geschickt zum Begriff der Raumzeit über und zitiere dann lange Absätze aus Stephen Hawkings „Einsteins Universum“!) So bist du am Sichersten vor weiteren lästigen Nachfragen gefeit. Abhängig von deiner Stellung im Unternehmen kann auch dein Handy eine wichtige Rolle im Meeting spielen. Während du am unteren Ende der Nahrungskette und Hierarchie jeden Kontakt zu deinem Handy vermeiden solltest, weil du strafende Blicke auf dich ziehst, die in der Lage wären, Weißbrot zu rösten, spielen derartige Probleme keine Rolle mehr für dich, wenn du zur Managerriege gehörst. Wenn ein Manger angerufen wird, nimmt er das Gespräch selbstverständilich an und signalisiert damit, daß ihn die Inhalte der Zusammenkunft weniger interessieren als die Ergebnisse der Cricket-Derbys von 1956 aus den englischen Kronkolonien. Demonstrativ auf die Uhr zu sehen ist übrigens verpöhnt. Die Uhrzeit auf dem Telefondisplay oder der Taskleiste des Notebook abzulesen ist genau so effektiv, aber weniger auffällig.

Jobs aus Meetings mitnehmen
Ein heikles Thema und immer noch die Hauptursache für psychosomatische Störungen und hohe Krankenstände. Am Ende eines jeden Meetings tritt immer eine peinliche Stille ein, wenn es darum geht, Jobs zu verteilen. Mit Jobs sind hier nicht Stellenbeschreibungen gemeint. Hiermit ist auch nicht gemeint, an für das Unternehmen wichtigen Entscheidungen teilzuhaben. Diese wurden bereits alle getroffen auf Meetings, zu denen SIE sicherlich niemals eingeladen werden. In der Regel geht es bei den Jobs, von denen ich hier spreche, um lästige Nebenarbeiten, die in Meetings großzügig sozialisiert werden, um sie von eigentlich unbeteiligten Mitarbeitern „On Top“ zu ihrem eigentlichen Job erledigen zu lassen und der betreffenden (oder betroffenen) Person nebenbei das trügerische Gefühl vermitteln, nicht völlig unwichtig zu sein. (Wichtige Mitarbeiter notieren sich derweil die Ergebnisse der Cricket-Derbys von 1956 aus den englischen Kronkolonien.) Es gibt nachweislich nur eine einzige wirklich wirksame Methode, Jobs dauerhaft aus dem Wege